online Energieausweis beanstandet Drucken E-Mail

Ob ein aufwendiger Bedarfs-Energieausweis über Online-Abfrage Sinn macht, dieser Frage ist der STAgenda  Arbeitskreis Energie und Klimaschutz nachgegangen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Das angewandte vereinfachte Verfahren kann im Ergebnis bis zum doppelten Energiebedarf führen.

Die HypoVereinsbank bietet ihren Neu- und Bestandskunden kostenlos den Energieausweis in der Bedarfsvariante an. Beim Bedarfsausweis ermittelt ein ausstellungsberechtigter Fachmann den Energiebedarf. Der Ausweis beschreibt den energetischen Zustand des Gebäudes. Dabei ist die Qualität der Fenster, Decken, Außenwände und der Heizungsanlage von Bedeutung. Der Ausweis muss zudem Hinweise zu Einsparpotenzialen enthalten. Der aufwendigere Bedarfsausweis unterscheidet sich damit wesentlich von dem einfacheren Verbrauchsausweis, der lediglich den Wärmeverbrauch der letzten drei Jahre feststellt. Der von der HVB angebotene kostenlose Energiebedarfsausweis wird von der Firma SEnerCon GmbH auf der Basis der Daten ausgestellt, die der Eigentümer liefert. Die 20-seitige Datenabfrage erfolgt Online. SEnerCon prüft nur auf Plausibilität.

 

Die Aussagefähigkeit eines so ausgestellten Ausweises wurde vom Arbeitskreis Energie- und Klimaschutz für ein Haus in Starnberg, dessen Energiebedarf zuvor exakt ermittelt und somit bekannt war, überprüft. Das Ausfüllen des 20-seitigen Fragebogens - das stellte der Arbeitskreis fest - ist für den Laien ein hoher Aufwand, es besteht die große Gefahr der fehlerhaften Eingabe. Für die Online-Abfrage wird jede Vereinfachung ausgenutzt, die die Energieiensparverordnung (ENEV) bietet.
Das Ergebnis nach fünf Wochen Wartezeit ist enttäuschend: Durch das angewandte vereinfachte Verfahren wird ein deutlich zu hoher Energiebedarf ausgewiesen. Der Modernisierungsbedarf wird mit 50.000 Euro angegeben, was weit unter den fachlich berechneten Kosten liegt. Grund dafür sind pauschalierte Angaben ohne Ortskenntnis und praxisfremde Kosten. Zudem waren die Sanierungsvorschläge z.T. nicht sinnvoll.

 

Die Erfahrungen des Arbeitskreis Energie und Klimaschutz mit dem Online-Bedarfsausweis decken sich mit denen der Verbraucherzentrale NRW. Diese hatte Verbrauchsausweise aus dem Internet überprüft und festgestellt, dass fast alle nicht zu gebrauchen sind.

Energieausweis-Interessenten rät der STAgenda Arbeitskreis Energie und Klimaschutz deshalb, sich an einen ausstellungsberechtigten Fachmann zu wenden, der sich mit einer „vor Ort Begehung“ ein Bild über dem energetischen Zustand eines Hauses macht, bevor er den Ausweis ausstellt. Kostenlos ist ein solcher Energieausweis allerdings nicht zu haben, aber günstiger im Sinne des Preis-Leistungs-Verhältnisses.

 

Ihre Ansprechpartner für den Arbeitskreis Energie und Klimaschutz:

Karin Wurzbacher, Tel. 08151-16261

Carsten Münster, Tel. 08151-555304